Alexandra aus Zürich möchte wissen: "Hast du als Kind gelesen? Wenn ja wie viel und vor allem was?"

 

Als Kind galt mein Interesse nicht nur Büchern, sondern allen Schrift– und Tonträgern. Schon im Vorschulalter hatte ich eine ganze Reihe von Schallplatten, die ich ständig abspielte. Ich weiß das so genau, weil wir erst kürzlich einen Brief meines älteren Bruders gefunden haben, indem er sich in rührender Weise vom Nikolaus wünscht, dass sein jüngerer Bruder (also ich) nach dem Zubettgehen nicht immer Märchen hören möge. Er könne dann immer so schlecht einschlafen und er müsse doch so früh raus, um in die Schule zu gehen. Dieser Interessenkonflikt löste sich jedoch auf, als ich nicht nur ein eigenes Zimmer, sondern auch einen eigenen Kassettenrekorder bekam. Endlich konnte ich so vielen Hörspielen nach Karl May, Astrid Lindgren u. a. lauschen, wie ich wollte. Besonders „Winnetou I, II und III“ haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen, aber auch die galaktischen Abenteuer von „Captain Future“. Hinzu gesellten sich bald Comics, die meine zweite große Leidenschaft wurden. Jeden Samstag bekamen mein Bruder und ich ein Heftchen von meinen Eltern geschenkt. Die Titel lauteten „Bessy“, „Silberpfeil“, „Spuk“, „Gespenster“, „Yps“, „Mickey Mouse“, „Dagobert Duck“, „Mad“, „Tim und Struppi“, „Asterix und Obelix“ und „Clever und Smart“. Ich weiß noch, dass ich an den Comics besonders schätzte, dass sie nicht soviel Zeit beanspruchten. Mit meinem Bewegungsdrang konnte ich nicht lange stillsitzen. Erst wenn ich draußen mit den anderen Kindern Fußball gespielt hatte, konnte ich mich auch auf ein längeres Buch konzentrieren. Dann griff ich mit Vorliebe zu „Die drei Fragezeichen“ von Alfred Hitchcock und zu Karl May. Bei den Romanen um den Privatdetektiv Justus Jonas schätzte ich die Spannung und die Rätsel, bei Karl May die Beschreibungen von fernen Ländern und den Edelmut der Helden. Zusammenfassend kann ich wohl sagen, dass ich vor allem Interesse an lebendig erzählten Geschichten hatte. Ob sie mir in Form eines Comics, eines Buches oder eines Hörspiels begegneten, war für mich nebensächlich, solange sie fesselnd waren.

Emma aus Springe möchte wissen: "Wie sahen in der Schule deine Deutschnoten aus?"

 

Meine Schulnoten in Deutsch waren passabel, aber nicht herausragend. Ich erinnere mich, dass ich bei Büchern, die mir sehr gut gefallen haben wie z. B. "Sansibar oder der letzte Grund" von Alfred Andersch, "Das siebte Kreuz" von Anna Seghers und "Homo Faber" von Max Frisch ansprechende Aufsätze abliefern konnte. Für sprachwissenschaftliche Themen konnte ich mich nicht so begeistern. Dementsprechend fielen dann auch die Klausuren aus.

Wenn man bedenkt, dass ein so herausragender Autor wie Thomas Mann zweimal sitzengeblieben ist, relativiert sich die Aussagefähigkeit von Schulnoten jedoch schnell. Natürlich braucht man als Autor ein Gefühl für Sprache, aber andere Eigenschaften wie Erfindungsreichtum, Begeisterungsfähigkeit und Durchhaltevermögen sind bestimmt genauso wichtig, um ein Buch zu veröffentlichen. In diesem Sinne meine ich auch, dass sich niemand von seiner Note in Deutsch abhalten lassen sollte, wenn die Fantasie übersprudelt und er seine Gedanken auf dem Papier festhalten will.

Anna aus Berlin möchte wissen: "Wann hast du mit dem Schreiben angefangen?"

 

An meinen ersten Versuch kann ich mich lebhaft erinnern. Ich muss sechs oder sieben Jahre alt gewesen sein und hatte in der Schule gerade die ersten Buchstaben aneinander gereiht. Zum Einschlafen spielte ich in jener Zeit immer Hörspiele auf meinem Kasettenrekorder ab und ein neues Märchen wühlte mich derart auf, dass ich mich mit Buntstiften an meinem Schreibtisch setzte und etwas Ähnliches schaffen wollte. Die Handlung gestaltete sich in etwa so: Ein Prinz rettete eine Prinzessin, die in großer Gefahr schwebte. So sehr ich mir den Kopf auch zerbrach, fielen mir nicht die passenden Worte ein. Schließlich verschob ich das Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt und legte mich wieder ins Bett.

Bei einem weiteren Versuch muss ich siebzehn oder achtzehn Jahre alt gewesen sein. Ich schrieb an einem Detektivroman, von dem ich noch nie jemandem erzählt habe. Die Handlung war eigentlich nebensächlich. Im Mittelpunkt stand ein Held, der Liebeskummer hatte, einen Glimmstengel nach dem anderen paffte und cool rüberkommen wollte, indem er sich so wortkarg gab wie Bruce Willis in "Die Hard". Nach ungefähr hundert Seiten zerriss ich das unfertige Manuskript. Vermutlich fürchtete ich, dass ein Leser erkennen könnte, dass der Held mehr Ähnlichkeit mit mir hatte, als mir lieb sein konnte. ;-)

Anna aus Berlin fragt: "Wie wird man Schriftsteller?"

Sicherlich gibt es sehr unterschiedliche Wege, wie "man" Schriftsteller wird. Manch einer nutzt seine Popularität, um ein Buch zu veröffentlichen. Ein anderer forscht auf einem interessanten Gebiet und kann sein Fachwissen für eine Publikation einbringen. Bei mir war es so, dass ich mir schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht habe und mich irgendwann entschloss, sie Lesern zugänglich zu machen. Bis zur Veröffentlichung in einem Publikumsverlag vergingen jedoch viele Jahre, die auch von Rückschlägen geprägt waren. Beinahe jeder Autor kann wohl von solchen Erfahrungen berichten. Die Gründe für eine Absage können vielfältig sein: das Manuskript passt nicht in den Trend auf dem Buchmarkt, der Autor passt nicht in das Anforderungsprofil des Verlages, der Lektor hat mit einem Buch aus dem Genre schlechte Erfahrungen gemacht oder, was natürlich auch sein kann, das Manuskript hat noch keine Angebotsreife. Aus Enttäuschung haben schon viele große Talente die Schreiberei aufgegeben. Deshalb sind bestimmte Charaktereigenschaften wie Geduld, Beharrlichkeit, Anpassungsfähigkeit und die Bereitschaft, sich ständig zu verbessern, eine weitere wichtige Voraussetzung, um die Buchveröffentlichung zu erreichen und dauerhaft Schriftsteller zu bleiben.

Aleaxandra aus Zürich fragt: "Wie schreibst du deine Bücher? Mit einem Textverarbeitung- oder einem Autorenprogramm? Wenn ja, welches?"

 

Am Anfang eines Romanprojekts halte ich die Namen für die Protagonisten, ihre Charakterisierungen, schöne Formulierungen, Beschreibungen des Settings und Handlungstränge mit einem Bleistift in einer Kladde fest. Die meisten Aufzeichnungen kann ich später nicht mehr verwerten, weil ich entweder zu euphorisch war, weil mir später etwas Besseres eingefallen ist oder - das passiert auch - weil ich meine Schrift nicht mehr lesen kann. Trotzdem sind diese Notizen sehr wichtig. Durch sie kann ich zum Wesentlichen vordringen und allmählich ein Gefühl für die Story entwickeln. Diese Phase kann Tage oder Wochen dauern. Danach begebe ich mich meist sofort an den PC und arbeite mit Microsoft Word 2003 weiter.

Alex aus Zürich möchte wissen: "Gibt es spezielle Situationen, die dich zum Schreiben anregen? (Umgebung, Menschen, Musik...)"

 

Die besten Ideen habe ich, wenn ich mir meine Turnschuhe anziehe und durch den Wald jogge. Zuerst verarbeite ich alltägliche Dinge, aber mit zunehmender Dauer denke ich immer intensiver über mein aktuelles oder zukünftiges Buchprojekt nach. Dabei entstehen besondere Formulierungen, neue Charaktere, Dialoge oder ganze Kapitel. Manchmal finde ich die Einfälle so originell, dass ich sie sofort nach meiner Rückkehr - noch schwitzend und triefend - niederschreibe, weil ich fürchte, dass ich sie zu einem späteren Zeitpunkt vergessen haben könnte.

Alex aus Zürich fragt: "Wieviel schreibst du pro Tag. Gibt es da eine eigens gesetzte mindeste Zeit oder Anzahl Seiten?? Oder machst du das ganz spontan?"

 

Wenn man sich die Arbeitszeit frei einteilen kann, ist es tatsächlich sinnvoll, sich ein festes Pensum vorzunehmen. So hat man ein Mittel zur Selbstkontrolle und verschafft sich ein Erfolgserlebnis, das sehr motivierend sein kann. Bei mir laufen Recherche und Textarbeit meist nebeneinander her. An manchen Tagen lese ich sehr viel, an anderen Tagen entwerfe ich das Setting oder eine Figur und an wieder anderen Tagen schreibe ich ein neues Kapitel. Bei dieser Arbeitsweise ist es wenig sinnvoll, sich eine feste Seitenzahl vorzunehmen. Daher habe ich mir angewöhnt, mir bestimmte Tagesziele zu setzen, die beispielweise so lauten können: Heute lese ich dieses oder jenes Buch zu Recherchezwecken. Oder: Heute überarbeite ich die Dialoge. Oder: Heute vollende ich das zehnte Kapitel. Manchmal nehme ich eine Stoppuhr zur Hand, um die Arbeitszeit zu messen. Meine kleinen Erfolge notiere ich einem Kalender, den ich manchmal hervorhole, um mir vor Augen zu führen, wie fleißig ich gewesen bin.  Dann kann ich auch guten Gewissens einen Tag frei machen oder in den Urlaub fahren.